Seit Langem lest ihr mal wieder etwas auf meiner Seite. Wie kommts? Ja, das weiß ich selbst nicht so genau, und je länger ich das Eintragsschreiben herausgezögert habe, umso schwieriger fiel es mir, es zu begründen. Wahrscheinlich ist die Ursache darin zu suchen, dass es mir in den letzten 2 Monaten nicht gut ging, und bis jetzt auch keine Besserung in Sicht ist. Und ich will ja auch hier keine Plattform für Quengeleinträge haben.
Fangen wir von vorne an:
Alles in Ordung war noch, als Johannes (Voluntär aus Buenos Aires) in Nordargentinien und Bolivien unterwegs waren. Hatten einen schönen Urlaub, so wie alle Voluntäre ihre freie Zeit nutzen, um vom anstrengenden Projektleben (und von oft anstrengenden Argentiniern) weg zu kommen.

Auf dem Gipfel des Cerro Penitentes, auf der gegenüberliegenden Seites des Aconcaguas, des höchsten Berges Amerikas. War sehr anstrenged die Besteigung.

Mit einer geliehener Schrottkarre gings dann duch die Provinz Salta, drei Tage lang, 550 km auf fast nur Schotterpisten. Unser Fehler war, uns mit einem verrückten Argentiner einzulassen, der sich während der Fahrt also vollkkommener Vogel rausgestellt hat und uns gehörig auf die Nerven gegangen ist.

Hochsommerliche Hitze, aber trockene, nicht so wie in Paraná, erlebten wir in Salta, fuhren vorbei an solchen riesigen Kandelaberkakteen. Hier Johannes vor einem, deren hartes Holz in der ganzen Region für Bauzwecke verwendet wird. Jedes Jahr sterben im Übrigen Menschen bei unsachgemäßen Kaktusfällen. Die Dinger sind nämlich voll mit Wasser und daher sehr schwer. Ihre Früchte schmecken im Sommer besonders gut.

Menschenleere, naturbelassene fruchtbare Täler, stahlblauer Himmel und im Hintergrund schneebedeckte Gebrigskuppen…
Zurück in Paraná wandelte sich mein (Arbeits)leben sehr: Wie ihr wisst ist das Arbeitsangebot im Kindergarten nicht mehr so groß so dass ich mich eigenhändig über Kontakte bis ins Büro des Sozialamtsleiters der Stadt vorgedrungen habe, die mich dann an ein anderes Projekt in einem richtigen Armenviertel übermittelt habe. Nach dem Einstieg dort, der sich für mich als recht schwer erwiesen hat, da das Projekt sehr gut organisiert ist und eigentlich keine Hilfe braucht, bin ich eine Zeit lange Montags und Freitagsnachmittags und Mittwochs morgens ins Projekt raus Richtung Fluss gefahren. Jetzt gehe ich nur noch Mittwochs morgens dort hin, weil man mich Nachmittags einfach nicht braucht. Das Projekt besteht aus einem durch 23 Mitarbeiter geführerten und kirchlich finanzierten Gebäude, in dem die aus dem Viertel ihre Hausaufgaben machen (wenn sie denn mal in der Schule waren), mit Pädagogen und Psychologen reden und spielen können. Dort war ich eine Zeit lang, jetzt gehe ich aber noch weiter ins Viertel hinein, wo jeden Tag Essen für ungefähr 80 Kinder zubereitet und kostenlos verteilt wird. Ein paar Bilder…

Die Kinder sind (mal zur Ausnahme) meine einzigen „Kollegen“ die ich wirklich gerne habe. Sie stinken, ihnen läuft immer die Nase, sie haben nicht gelernt, anständig zu essen, aber sie sind nett, hilfsbereit, sozial untereinander, lachen immer, sind fröhlich, haben Spaß an Kleinigkeiten, passen auf ihre Geschwister auf.

Während die Kinder im Kindergarten von ihrer winzigen Essensportion auch noch die Hälfte zurückgehen lassen und die andere Hälfte auf Tisch und Boden verteilen, essen die Armenviertel-Kinder drei riesige Teller Guiso (Reis mit Kartoffeln, Fleisch und Gemüse).

Nach dem Essen gabs an diesem Tag (Sensation!) eine Organe für jeden. Wie man sieht, hat es sie gefreut. Übliche Vorgehensweise: Du gibts ihnen eine Organge, sie verstecken sie vor deinen Augen hinter ihrem Rücke und strecken dir die andere Hand hin: „Gib mir eine, ich hab noch keine!“.
Sie haben halt Hunger…

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Kiddies zwar spitze sind und es mit ihnen auch mal ganz nett ist, aber für den Aufwand den ich getrieben habe, um an neue (sinnvollere) Arbiet zu kommen, hat sich der ganze Aufwand nicht gelohnt.
Trauriger Abschied: Meine engste Vertraute, Miteuropäerin und beste Freundin, die Schwedin Siri aus Göteborg hat Paraná vor mittlerweile zehn Tagen verlassen. Obwohl ich ja die ganze Zeit auch viele argentinische Freunde habe, fehlt ohne sie schon ein wichtiger Teil hier. Vorallem weil es in dem Freundeskreis, in dem ich bin mitunter heftig kriselt. Hauptsächlich zwischen anderen, aber es färbt halt schon sehr ab. Mein bester Freund, Juan, hat sich mittlerweile ganz ausgeklingt und auch unternander haben wir einige Probleme, für die es glaube ich auf die kurze Sicht keine Lösung geben wird.

Das war im Hochsommer, ich glaube Anfang Dezember zusammen mit Emi, einem (zum Glück immer noch) super Kumpel.
Zum Kindergarten: Wiederholen möchte ich mich nicht, daher nur kurz: Das Wetter ist schlecht geworden, sprich, es passiert nur noch die Hälfte. Das leidige Thema Spielgeräte, die nur geschweisst werden müssten wird wohl angesichts des fehlenden Engagements seitens der Cheffin eher ein Projekt mit dem Titel „unvollendet, weil noch nicht angefangen“ werden. Und obwohl ich es gerne täte, kann ich ihr leider nur sprichwörtlich in den Allerwertesten treten.

Hier seht ihr Negrita und mich beim obligatorischen Empanadas backen um mal wieder mit viel Aufwand ein paar lausige Kröten für den Kindergartenschuldenberg zu „erwirtschaften“.
Apropos Wetter:
Es ist so furchtbar kalt geworden dass ich – wie letzten Winter – mal wieder erfinderisch werden musste:

In voller Pracht seht ihr hier meine Heizung, die zwar nicht wirklich viel bringt, aber immerhin den Hohlraumstein schön erwärmt, so dass ich danach (wenn ich zum Beispiel am Computer sitze, wie jetzt) meine Füsse drauf wärmen kann.
Also: der tolle Sommer ist vorbei, mir gehts zur Zeit nicht gut, aber egal. So fällt der Abschied wenigstens nicht so schwer.