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Ausnahmezustand!

Juni 11, 2008

Mit Argentinien geht es den Bach runter, wenn man das mal so salopp ausdrücken kann:

Es ist ja schon länger bekannt, das Wirtschaft und Politik von Korruption, Vetternwirtschaft und ausländischen Investoren verseucht sind, und dass auch durch die neue Präsidentin Christina Kircher, die dieses Jahr gewählt wurde, bisher keine Besserung in Sicht ist: im Gegenteil! Im Moment herrscht Ausnahmezustand in unserer Provinz, Entre Rios.

Hier gibt es kein Benzin mehr, es fahren keine Busse, die Leute kommen nicht zur Arbeit. Studenlang Autoschlangen an Tankstellen nachts um halb 3, hunderte stehende Lastwagen…

Was ist passiert?

Ein schon mittlerweile 82 Tage andauernder Streit zwischen dem “Campo”, sprich der Bevölkerung ausserhalb der Stadt, den Viehbaueren, Eierproduzenten und vor allem Soja-Herstellern, hat dazu geführt, dass der sogenannte “Campo” die Strassen sperrt. Durch die geographische Lage der Provinz (Entre Rios – zwischen den Flüssen) ist mit einem Tunnel und zwei Brückensperrungen die Provinz von der Aussenwelt so gut wie abgekapselt. Im Osten Uruguay, im Süden und Westen der Rio Paraná. Im Norden, Grenze zur Provinz Corrientes, deren Gouverneure bei dem ganzen Terz sich zu sehr raushalten, also auch von deren Seite kaum Unterstützung zu erwarten ist.

Folglich erreichen keine LKW mehr die Provinz, kein Benzin kann herangebracht werden, was das öffentliche Leben ungemein bremst. Dazu kommt, dass die Problemlösung hier in Paraná mal wieder auf argentinische Weise angegangen wird: sehr verbreitet ist das zurück, Verweden von sogenannten Remises, billigen Ruftaxis. Diese tanken Gas und könnten sich durch das Fehlen von Flüssigtreibstoff als Goldgrube herausstellen. Was passiert? Anstelle dass die Remis-Unternehmen alle Autos in Bereitschaft haben und rund um die Uhr disponibel sind, wird unter den Fahrern auf das sonntägliche Rindfleisch-Asado nicht verzichtet. So wartet man schon mal eine Stunde, oder auch mal zwei, oder geht zu Fuss. Den Schülern wird keine Fehlzeit eingetragen, es geht gemächlich zu. Und wenn mal wieder ein einzelner LKW mit Benzin kommt, dann rennen alle zur Tankstelle wie die Hühner zu den Körnern.

Zum Glück sind wir nicht die einzige Provinz: In Neuquen gibts weder Fleisch noch Eier, und auch Corodoba und Buenos Aires haben Existenzängste.

Denn: Anstatt sich mehr um die 47% der in Argentinien unter der Armutsgrenze lebenden und sich stark vermehrenden bildungsfernsten Bevölkerungsteile zu kümmern, kommt die Präsidenten unlängst aus dem sommerlichen Italien von der Welternährungskonferenz mit der blendenden Idee zurück, einen Hochgeschwindigkeitszug von Córdoba nach Buenos Aires zu bauen. Zur Erinnerung: es gibt keine Züge mehr in Argentinien seitdem der Präsident Menem alle verkauft hat. Und abgesehen von den Abermillionen von Peso, die das Projekt an eine vermutlich europäische Firma ausgeben wird, könnten sich nur ganz ganz wenige das Ticket leisten, dass für uns gefühlte 700 Euro kosten würde.

Die Leute hier resignieren so sehr, das es mir schon peinlich wird auf die Fragen “So was gibt es in deinem Land nicht” oder “Ihr werdet fair behandelt von Deutschland” Ausflüchte zu finden.

Ihr seht, von solchen grundlegenden Probleme sind wir meines Wissen nicht betroffen. Bei uns fällt ja nicht mal der Strom aus. Da sollte sich doch vielleicht ein gewisses Zufriedenheitsgefühl einstellen ?!

Noch kurz etwas Aktuelles: Nächste Woche ist das letzte sogenannte Abschlussseminar der Voluntäsgruppe, nachdem einige der “kollegen” schonin drei Wochen das Weite suchen. Es wird eine Reflektion des Jahres sein, verbunden mit einen hoffentlich interessantem Erfahrungsaustausch. Danach muss ich noch ein letztes Mal mein Visum durch einen internationalen Grenzübertritt erneuern und dann ist das Projekt “Anderer Dienst im Ausland” nach Paragraph 14b Zivildienstgesetz anstelle des Zivildienstes auch schon fast geschafft.

Einen lieben Gruß aus dem kalten Paraná. Euer Jens.

Ein Kommentar

  1. hi jens, sehr interessant was du da alles schreibst- hoert sich nach einer sehr schwierigen situation fuer dich an! wann wirst du denn genau zurueckfliegen? bei uns isses nu auch ninmmner lange. justamente am nationalfeiertag dem 29. juli gehts fuer uns zurueck! nu kommt in 3 stunden mein bruder, mit dem werd ich nochmal bisskl unterwegs sein hier! freu mich drauf dich dann malk zu treffen bald- im schoen warmen dtl dann! liebe gruesse! david



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